Stieleiche bei Attaching (2)
Diese Eiche markiert eine über Jahrhunderte existierende Nutzungsgrenze zwischen den wenigen ackerfähigen Flächen am westlichen Ortsrand und den anschließenden nassen Moorflächen. Sie war Bestandteil einer Baumreihe, die um 1840 gerodet wurde. Sie hat als einzige bis heute überlebt.
Flurbaum-Steckbrief
Bezeichnung
Stieleiche - Quercus robur
Beschreibung
- zweistämmig
- Stammumfang: 410 cm in 130 cm Höhe (BHU dickster Stamm), Nebenmaß Taille-Doppelstamm: 680 cm in 70 cm Höhe, 2. Nebenmaß 2. Stamm: 410 cm in 130 cm Höhe
- Baumhöhe: ca. 26 m
- Kronenbreite: ca. 20 m
- Alter: im Jahr der Messung geschätzt 230 Jahre alt und demnach um 1800 gekeimt
- wahrscheinlich zweikernig
Lebensraum
- Acker
- ebenes Gelände
- Begleitarten: Gräser, u.a. Schilf
- Höhenlage: 441 m
- Naturraum: Erdinger Moos
Standort
- bei Attaching, 200 m westlich des Orts
- Stadt Freising, Lkr. Freising, Bayern
- Koordinaten: 48.37988, 11.77045
Risiken, Schäden
- Abstände: regelmäßige Bodenbearbeitung bis etwa 1 m zum Stamm
- Schäden: Wurzelverletzungen durch sehr nahe Bodenbearbeitung
Besonderheit
- alter Baum
- besonders landschaftsprägender Baum
- Ackerbaum
- Zeugenbaum (Flurstücks- und Nutzungsgrenze)
Stand: September 2025
Eine Landschaft verändert sich
Das letzte Exemplar einer früheren, langen Baumreihe
Blatt "70 Dachau" des "Topographischen Atlas vom Königreich Baiern" (1827-1840) zeigt auf der Westseite des Orts Attaching eine Baumreihe, die den ortsnahen Ackerflächen wohl als Windschutz dienen sollte (Abb. 1, roter Punkt = Standort der Stieleiche). Eine andere Quelle nennt für die gleiche Zeit hunderte von Eichen, "die das ganze Attaching gegen Freising so umhüllten, dass nur die Spitze des Kirchturms darüber hinaus ragte". Thomas Petuel ließ um 1850 diese Attachinger Eichen roden. "Er habe Eiche um Eiche geschlagen und zu Türen und Fensterstöcken verarbeiten lassen", heißt es.
Thomas Petuel und seine Frau Rosina, die Besitzer des Hacklbräus in Freising, hatten die 1803 säkularisierte Schwaige Attaching am 20. Januar 1840 für 30.000 Gulden gekauft, um dort u. a. Torf für das Betreiben der Sudhäuser zu gewinnen. (169).
Abb. 1: Topographischer Atlas vom Königreiche Baiern 1827-1840, Blatt 70 Dachau, Originalmaßstab 1:50.000 (170), ergänzt: Standort der Stieleiche bei Attaching (2). Die mit der ehemaligen Baumhecke markierte Linie grenzte die ortsnahen Ackerflächen von den Wiesenflächen im Westen ab. Diese Nutzungsgrenze hatte über 200 Jahre Bestand. Im Katasterplan von 1898 wird das Gewann, durch das sich dieser Rain schlängelt, mit "Rainfeld" bezeichnet (169). Es könnte sein, dass dieser Rain Teil einer früheren Dammlinie zum Schutz gegen Isarhochwasser war.
Erst am Ende der 1990er-Jahre wurde das Flurstück südwestlich des Baums beackert. Ab 2009 wurde die ganze Fläche westlich der alten Grenzlinie als eine Ackerfläche zusammen bewirtschaftet. Wie die Luftbilder von Google Earth zeigen, wird seit der Ernte 2023 die gesamte Fläche um den Baum einheitlich über den alten Grenzrain hinweg zusammen als ein Schlag genutzt. An die alte Grenzlinie erinnert nur noch die Eiche, die jetzt mitten im Feld steht.
Was hat sie wohl als einzigen Baum dieser Baumreihe überleben lassen?