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Den Roteschen im Ampertal auf der Spur

Einer der ersten Flurbäume dieser Website, die Rotesche bei Allershausen, ist mir zunächst beim Vorbeifahren als stattliche und schöne Esche ins Auge gefallen. Bis dahin wusste ich nichts von Roteschen. 

Erste Zweifel

Mir fiel auf, dass die Blätter der Esche bereits Mitte September gelb wurden. Das ist für eine Gemeine Esche ungewöhnlich. Ich dachte, es sei vielleicht die Trockenheit, die in diesem Sommer herrschte. Erste Zweifel kamen bei der Betrachtung der Blätter auf. Die Fiederblättchen waren weniger und größer als bei den Eschen, die ich kannte. Auch die Knospen waren nicht so richtig tiefschwarz. 

Sollte es sich um eine Rot- oder Weißesche handeln?

Abb. 1: Rotesche 15. September 2020
Abb. 2: Rotesche 22. September 2020
Abb. 3: Ast und Blätter der Rotesche 

Die Lösung

Ich bin kein ausgebildeter Botaniker, kenne aber die Launen der Natur und war deshalb verunsichert. Zwei Hinweise brachten mich auf die richtige Spur: 

Der Leiter des Freisinger Weltwaldes, Herbert Rudolf, gab mir den Tipp, die Knospen einer Esche, bei der ich sicher war, dass es sich um die Gemeine handelt, mit denen der fraglichen Esche direkt zu vergleichen.

Ein weiterer, für mich sehr wichtiger Hinweis kam von Katrin Schneider, Diplom-Biologin und damals am Unabhängigen Institut für Umweltfragen e.V. in Halle tätig. In einer Veröffentlichung machte sie - eher nebenbei - auf ein Merkmal der Gemeinen Esche aufmerksam: die Eschenraute (wie ich sie seither nenne). Dieses Merkmal grenzt die Gemeine Esche sicher von der Rot- und Weißesche ab. Das war es, was ich suchte. 

Mich wundert nur, dass ich darüber in keinem der zahlreichen Bestimmungsbücher, die ich zu Rate gezogen hatte, etwas fand. Deshalb habe ich die wichtigsten Merkmale aus Literatur und meiner Erfahrung in der Übersicht Eschen erkennen zusammengefasst.

Abb. 4: Knospen von Gemeiner (links) und Rotesche (rechts)
Abb. 5: fehlende Eschenraute bei der Rotesche
Abb. 6: Eschenraute: für die Gemeine Esche typische Struktur an der Blattspindel zwischen den Fiederblättchen

Beide Hinweise machten mich sicher, dass der Flurbaum zumindest keine Gemeine Esche war.

In Europa sind drei Eschenarten heimisch: die Gemeine, die Blumen- und die Schmalblättrige Esche. Für die Schmalblättrige Esche waren die Fiederblättchen zu breit und zu wenige, gegen die Blumenesche sprachen die Knospenfarbe, der hohe Baumwuchs und die unauffälligen Blütenstände. 

Etwa in der Mitte des 18. Jahrhunderts kamen zwei weitere Eschenarten aus Nordamerika nach Deutschland: die Rotesche und die Weißesche, beide gelten inzwischen als eingebürgert. 

Die Weißesche ist an den Jungtrieben stets kahl. Da die Rotesche sowohl kahle als auch behaarte Jungtriebe haben kann, greift dieses Unterscheidungsmerkmal nicht bei kahltriebigen Roteschen. Der Flurbaum hat aber behaarte Jungtriebe. Es handelt sich also um eine Rotesche. Als weiteres Erkennungsmerkmal soll die Weißesche Papillen an der Blattunterseite haben, danach musste ich war aber aus dem genannten Grund hier nicht mehr suchen. 

Inzwischen weiß ich, dass selbst Baumsachverständige, die von der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V. zertifiziert wurden, Roteschen nicht als solche erkennen, sondern als Gemeine Eschen deklarieren.

Jagdfieber

Als ich las, dass die Rotesche in Bayern zwar als eingebürgerte, aber sehr seltene Art gilt (37), wollte ich wissen, ob es außer der von mir aufgespürten Rotesche weitere Vorkommen in der Gegend gibt. Mit meinem Pedelec machte ich mich an vielen Tagen auf den Weg.

Bis heute habe ich über 380 Exemplare in meinem Umfeld gefunden und die Fundorte in einer Karte festgehalten. Allen fehlt die Eschenraute, Papillen konnte ich bei keinem der Bäume erkennen. Die Bäume mit unbehaarten Jungtrieben sehe ich deshalb auch als Roteschen an.

von Rudolf Rippel