Die Roteschen im und um das Ampertal

Meine bisherigen Funde liegen bis auf wenige Ausnahmen im Ampertal zwischen Fahrenzhausen und Palzing, sie sind in Tabelle 1 aufgelistet und in der Standortkarte dargestellt. Beides ergänze ich gelegentlich.

Die Bäume tragen alle hell- bis dunkelbraune Knospen, die Blattspindeln sind ohne Eschenraute, die Blätter haben z. T. 5, ganz überwiegend aber 7 oder 9 Fiederblättchen, im Ampertal südlich Palzing oft 7.

Die meist mehr oder weniger behaarten Jungtriebe und/oder Blattspindeln grenzen die Bäume zur Weißesche ab. Einzelne Exemplare mit kahlen Jungtrieben und Blattspindeln rechne ich auch den Roteschen zu, da ich keine Papillen auf den Blattunterseite erkenne. Die Behaarung ist weißlich bis braungrau bis rostfarben. Sehr selten finden sich Härchen auf der Blattoberseite und dann nur am Blattgrund und im unteren Teil der Hauptader.

Die grünen Jungtriebe haben oft einen wachsartig-weißlichen und abwischbaren Belag.

Die Funde habe ich dort, wo sie auf engem Raum stehen, für die Darstellung in der Standortkarte zu Clustern zusammengefasst. Die Clusterbezeichnung in der Tabelle entspricht der Bezeichnung in der Karte.

Tabelle 1: Liste der Roteschen im und um das Ampertal, Stand: 01.02.2022

Cluster Wuchsform Stammdurch-messer, ca. cm Jungtriebe
Aiterbach einstämmiger Baum 67 kahl
Aiterbach einstämmiger Baum 70 behaart
Aiterbach Stockaustriebe (Ø 3-4 cm, ehemals einstämmiger Baum) 68 behaart
Aiterbach einstämmiger Baum 88 behaart
Aiterbach einstämmiger Baum 30 behaart
Allershausen Sämling* 2 behaart
Allershausen Sämling* 2 kahl
Allershausen Sämling* 2 kahl
Allershausen Sämling* 2 kahl
Allershausen Sämling* 2 kahl
Allershausen Sämling* 2 kahl
Allershausen Sämling* 2 kahl
Allershausen Sämling* 2 kahl
Allershausen Sämling* 2 kahl
Allershausen Sämling* 2 kahl
Allershausen Sämling* 2 kahl
Allershausen Sämling* 2 kahl
Allershausen Fischweiher-1 einstämmiger Baum 55 behaart
Allershausen Fischweiher-1 zweistämmiger Baum 40 behaart
Allershausen Fischweiher-1 zweistämmiger Baum 50 ?
Allershausen Fischweiher-1 einstämmiger Baum 46 ?
Allershausen Fischweiher-1 einstämmiger Baum 42 ?
Allershausen Fischweiher-1 einstämmiger Baum 65 kahl
Allershausen Fischweiher-1 zweistämmiger Baum 40 ?
Allershausen Fischweiher-1 Strauch 14 kahl
Allershausen Fischweiher-1 einstämmiger Baum 45 behaart
Allershausen Fischweiher-1 mehrstämmiger Baum 45 behaart
Allershausen Fischweiher-2 mehrstämmiger Baum 25 kahl
Allershausen Fischweiher-2 einstämmiger Baum 25 behaart
Allershausen Fischweiher-2 mehrstämmiger Baum 25 behaart
Allershausen Fischweiher-2 zweistämmiger Baum 25 behaart
Allershausen-Nord-1 einstämmiger Baum 117 behaart
Allershausen-Nord-2 einstämmiger Baum 111 behaart
Allershausen-Nord-2 einstämmiger Baum 99 behaart
Allershausen-Nord-3 Strauch 5 behaart
Allershausen-Nord-3 einstämmiger Baum 10 behaart
Allershausen-Nord-3 Strauch 4 behaart
Allershausen-Nord-3 Strauch 7 behaart
Allershausen-Nord-3 einstämmiger Baum 6 kahl
Allershausen-Nord-3 einstämmiger Baum 8 behaart
Hagenau einstämmiger Baum 12 behaart
Hagenau einstämmiger Baum 15 behaart
Hagenau mehrstämmiger Baum 15 behaart
Hagenau mehrstämmiger Baum 30 behaart
Hagenau Strauch 3 behaart
Hagenau Strauch 12 behaart
Hagenau Strauch 10 behaart
Hagenau einstämmiger Baum 18 kahl
Hagenau einstämmiger Baum 13 behaart
Hagenau einstämmiger Baum 10 behaart
Haindlfing-1 Strauch 10 kahl
Haindlfing-1 einstämmiger Baum 10 behaart
Haindlfing-2 einstämmiger Baum 103 behaart
Haindlfing-3 einstämmiger Baum 26 behaart
Haindlfing-3 einstämmiger Baum 26 behaart
Haindlfing-3 mehrstämmiger Baum 26 behaart
Haindlfing-3 mehrstämmiger Baum 20 behaart
Haindlfing-3 einstämmiger Baum 46 behaart
Haindlfing-3 einstämmiger Baum 26 behaart
Haindlfing-3 mehrstämmiger Baum 20 behaart
Haindlfing-3 mehrstämmiger Baum 20 behaart
Haindlfing-3 mehrstämmiger Baum 20 behaart
Haindlfing-3 mehrstämmiger Baum 20 behaart
Haindlfing-3 einstämmiger Baum 26 behaart
Haindlfing-3 einstämmiger Baum 26 behaart
Jarzt Fischweiher einstämmiger Baum 25 ?
Jarzt Fischweiher einstämmiger Baum 12 kahl
Jarzt Fischweiher einstämmiger Baum 47 behaart
Jarzt Fischweiher einstämmiger Baum 20 behaart
Jarzt Fischweiher einstämmiger Baum 49 behaart
Jarzt Fischweiher einstämmiger Baum 31 behaart
Jarzt Fischweiher einstämmiger Baum 23 behaart
Jarzt Fischweiher einstämmiger Baum 43 behaart
Jarzt Fischweiher einstämmiger Baum 50 behaart
Jarzt Fischweiher einstämmiger Baum 23 behaart
Jarzt Fischweiher einstämmiger Baum 30 behaart
Jarzt Fischweiher einstämmiger Baum 29 behaart
Jarzt Fischweiher zweistämmiger Baum 24 behaart
Jarzt Fischweiher einstämmiger Baum 34 behaart
Jarzt Fischweiher einstämmiger Baum 35 behaart
Kirchdorf einstämmiger Baum 95 behaart
Kirchdorf Strauch 4 kahl
Kranzberg einstämmiger Baum 12 behaart
Palzing-1 zweistämmiger Baum 55 behaart
Palzing-1 zweistämmiger Baum 53 behaart
Palzing-1 mehrstämmiger Baum 21 behaart
Palzing-2 mehrstämmiger Baum 27 behaart
Palzing-2 einstämmiger Baum 28 kahl
Palzing-2 einstämmiger Baum 28 ?
Palzing-2 mehrstämmiger Baum 25 behaart
Palzing-2 einstämmiger Baum 30 behaart
Weltwald einstämmiger Baum 74 behaart
Weltwald einstämmiger Baum 51 behaart
Weltwald einstämmiger Baum 6 kahl

Kurzbeschreibung der gefundenen Roteschen

Der Stammdurchmesser wurde grob gemessen. Die Angaben beziehen sich auf eine Höhe von 130 cm über dem Boden. Ausnahme: die Sämlinge* im Cluster Allershausen und der Stumpf der abgeschnittenen Rotesche im Cluster Aiterbach. Für letztere gilt die Angabe dem Durchmesser der Baumscheibe. Bei zwei- und mehrstämmigen Bäumen wurde der jeweils stärkste Stamm gemessen.

Die meisten, nämlich 33 Exemplare sind in der Kategorie 6-25 cm zu finden, also Pflanzen, die etwa 10 bis 40 Jahre alt sein dürften. Die Bäume mit 26-50 cm starken Durchmessern sind mit 29 Exemplaren ähnlich häufig anzutreffen. Die alten, einstämmigen Eschen haben Durchmesser von über 75 cm. Die "Stämme" der 12 Sämlinge* (siehe unten) maßen maximal 2 cm. Die Zahl der nicht erkannten Pflanzen dürften in dieser Kategorie am höchsten sein.

Abb. 1: Wuchsform und Stammdurchmesser der kartierten Roteschen

Die Behaarung der Jungtriebe bei den 94 Exemplaren konnte in Einzelfällen nicht bestimmt werden, weil die Blätter für mich nicht erreichbar waren. Von den 23 Pflanzen ohne Härchen fallen über die Hälfte auf die genannten Sämling*.

Tabelle 2: Behaarung der Jungtriebe

Behaarung Anzahl Anteil, %
behaart 66 70
kahl 22 23
fraglich 6 6

Die Knospenfarbe wurde von mir überwiegend als braun gesehen, es gab allerdings auch einige wenige Bäume mit sehr dunklen oder hellbraunen Knospen.

Tabelle 3: Verteilung der Knospenfarbe

Knospenfarbe Anzahl Anteil, %
hellbraun 4 4
braun 85 90
dunkelbraum 5 5

Die an jeweils einer Pflanze überwiegende Anzahl der Fiederblättchen pro Blatt lag zwischen 5 und 9, die meisten Bäume hatten Blätter mit 7 bis 9 Fiederblättchen (Tabelle 3). Es wurden pro Baum ca. 10 "zufällig" ausgewählte Blätter berücksichtigt (es waren wohl eher die weiter unten am Baum wachsenden).

Tabelle 4: überwiegende Anzahl der Fiederblättchen pro Baum

Anzahl der Fiederblättchen Bäume Baumanteil, %
5-7 15 16
7 9 10
7-9 65 69
9 5 5


* Cluster Allershausen: 12 Sämlinge, die in einer Thujahecke gekeimt haben. Roteschen scheinen zum Keimen nicht viel Licht zu benötigen. Es sieht so aus, als hätte die dichte Thujahecke etliche Samen aus der Luft herausgefiltern. Im Schatten der Hecke keimten sie und suchten das Licht (Abb. 9 bis 11), allerdings auf der Nordseite der Hecke. Einige junge Exemplare schafften es gerade, im Juni 2021 einen Zweig ans Tageslicht zu schieben. Diese wenigen Blätter waren ungewöhnlich groß und ungewöhnlich deutlich gezähnt. Das in Abb. 12 abgebildete Blatt eines Roteschen-Sämlings, das als eines von wenigen den Weg aus dem Schatten der Thujahecke ans Tageslicht geschafft hat, ist 49 cm lang und 31 cm breit, das Endblättchen misst mit Stiel 26 cm und ist 11,5 cm breit. Die für Gemeine Eschen kennzeichnende Eschenraute fehlt natürlich (Abb. 13).

Im April 2022 war von den Roteschen-Sämlingen in der Thujahecke nichts mehr zu sehen.

Woher kommen diese Roteschen?

Die Vorkommen liegen bis auf wenige Ausnahmen im Ampertal zwischen Fahrenzhausen und Palzing. 

Der erste von mir als Rotesche erkannte Baum war vor der Straßenbegradigung ein Straßenbaum an der alten Amperstraße. Er hat einen Stammdurchmesser von 111 cm, das entspricht einem Umfang von 348 cm, und ist etwa 26 m hoch. Er dürfte etwa 170 Jahre alt und demnach etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts gepflanzt worden sein. Es ist bekannt, dass in dieser Zeit Roteschen aus Nordamerika importiert und als Straßenbäume gepflanzt wurden. 12 dieser älteren Roteschen mit 30 bis 117 cm Stammdurchmesser habe ich kartiert, alle entlang des alten Straßennetzes im Ampertal (Abb. 2).

Abb. 2: Standort der Roteschen, die unmittelbar am (ehemaligen) Straßenrand stehen und deren Stamm einen Durchmesser von 30 cm oder mehr haben


Bei den anderen, jüngeren Bäumen dürfte es sich um die Nachkommen der gepflanzten Straßenbäume handeln. Die Baumverteilung zeigt eindeutig eine Verbreitung ausgehend von den alten Straßenbäumen in Richtung Osten, also in Richtung der Hauptwindrichtung. 

Die Vorkommen im Ampertal südlich von Allershausen lassen ebenfalls ein altes Roteschen-Vorkommen am Oberlauf des Flusses bzw. am Amperkanal vermuten. In diesem Fall dürften die Gewässer als Transporteur gedient haben. Die gefundenen Vorkommen sind aber noch nicht so alt wie die Straßenbäume, sie haben einen Stammdurchmesser von maximal 50 cm. Möglicherweise ist der Ursprung für das gehäufte Vorkommen im Süden bei Jarzt eine noch nicht ganz so alte Anpflanzung. Dort sind rund um die Fischweiher neben der Rotesche auch einige andere nichtheimische, also mit großer Wahrscheinlichkeit angepflanzte Arten, zu finden.

Zwei der drei Exemplare außerhalb des Ampertals am Rande des Weltwaldes haben einen Stammdurchmesser von ca. 50 bzw. 75 cm und dürften aus forstwirtschaftlichen Gründen dort gepflanzt worden sein. Im Weltwald selbst wurden in jüngerer Zeit mehrere Exemplare der Rotesche (und auch der Weißesche) zu Demonstrationszwecken gepflanzt, sie sind hier nicht enthalten.

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Abb. 2: verbissene Rotesche am Amperkanal
Abb. 3: verbissene Rotesche am Amperkanal

Abb. 4: Rotesche als Straßenbaum an der früheren Ampertal-Straße bei Aiterbach
Abb. 5: Rotesche als Straßenbäume an der Ampertal-Straße bei Kirchdorf

Abb. 7: Stockausschlag einer gefällten Straßenbaum-Rotesche
Abb. 8: Stockausschlag einer gefällten Rotesche

Abb. 9 bis 11: In der Thujahecke gekeimte Roteschen suchen das Licht
Abb. 12: Blatt eines Roteschen-Sämlings
Abb. 13: fehlende Eschenraute