Bart im Baum

(Ein oulipotisches Baummärchen ohne „e“)

Zwo Mädl, Bianka und Rosa, sind ständig brav, tun alsfort was Mama will, nichts fällt vor. Sämtlich Fauna mag das Paar. Kitz grast dort furchtlos, Fink sitzt zutraulich auf Ast.

Klopft ‘n Bär an Haustür, will rin. Anfangs sind Bianka und Rosa ängstlich. Doch Bär brummt: „Ohn‘ Furcht, Mädls! Ich mach nix.“ Dann kommt Bär rin, ruht am Kamin, Mädls krauln ihn. Wird’s ihm zu wild, sagt Bär: „Bianka und Rosarot, ihr macht ‘n Bräutigam tot.“ 

Im Frühling muss Brummbär davon, und zwar zur Schatzkontrollprüfung, da Unhold Lust auf Schatz hat. Mädls sind traurig. 

Mama schickt Kids in Wald: „Bringt Holz!“ Da is‘n mords Baum auf’m Waldgrund. Stickt so’n Gnom mit Bart, hässlich und faltig, im Baumspalt. Will raus, das Rumplstilz. Mädls wolln Guts tun, zwickn Bart ab. Schimpft Winzling: „Schafskopf! Blödfrau! Lohn’s Satan!“ Nimmt ‘n Goldsack und haut ab. Alsbald fischt Wicht am Bach. Fisch kaut an Minimannbart, hängt dran. Bianka und Rosa machn nochmals Zwangsrasur. Kobold schnauzt: „Hornochs! Dummkopfs Adlatus!“ Nimmt Schmucksack und zischt ab. Bald darauf hat Aar Puck im Maul, Mädls zupfn ihn raus. Da knurrt Kurzmann, Rock wär kaputt. 

Bald hüpft Winzling um Schmuck und Gold, Kombination aus Tanz und Singsang. In flagranti blickt das Bianka, ist nun im Bild. Kommt Bär von vorhin und schlägt Wicht tot. Goldschatz stahl ihm vormals Troll. Bärhaut springt ab, kommt ‘n Königssohn raus, war Wirkung von Winzlings Schwarzkunst. Damit ist’s nach Gnoms Tod finito. Nun nach Jahr und Tag ausnahmslos tutto prima. Königssohn gibt Jawort an Bianka, Rosa schnappt sich Kumpan von ihm. Mama kommt mit ins Schloss. Schar rundum glücklich. Baum auch.

Udo Fedderies