Hängebirke bei Unterwohlbach

Erst stand das Feldkreuz, dann kamen die beiden Birken dazu.

Die Frau des in Unterwohlbach lebenden Besitzers hat mir folgende Geschichte erzählt: Als ihr 1908 geborener Schwiegervater 1945 aus dem Krieg zurück gekommen war, hat er aus Dankbarkeit über das Glück, wieder daheim zu sein, das Feldkreuz mit der Inschrift neben dem damaligen "Kirchenweg" (von Schipps nach Hohenkammer) aufgestellt. Sein 1938 geborener Sohn - ihr heutiger Mann - hat im Alter von 16 Jahren, also etwa 1954, die beiden Birken dazu gepflanzt.

Auch wenn die heute stattlichen Birken beim Pflanzen schon ein paar Jahre alt gewesen sein mögen, sind sie demnach nicht älter als rund 70 Jahre.

Die Hängebirke

Bist du zu kurz, zu schwach, zu läppisch
und dein Geist so flach wie ’n Teppich,
wende dich den Birken zu,
und du wirst lang, stark, klug im Nu.

Trinkst Du vom Saft der Hängebirken,
wird dies auf Deine Länge wirken.
Ein Hängebirken-Wurzelsud
verleiht dir Kraft und Macht und Mut.
Nach dem Genuss von Birkenwein
fällt dir sogleich ein Dichtwerk ein.

Nur die Birke leidet drunter,
ist dann längst nicht mehr so munter.
Sie wird klein und schwach und dumm,
und dann fällt sie einfach um.

Steckbrief

Bezeichnung

Hängebirke - Betula pendula

Beschreibung

  • in einer Gruppe aus 2 gleichartigen Bäumen
  • 1-stämmiger Baum | Stammumfang in 130 cm Höhe: 258 cm (das entspricht einem Durchmesser von 82 cm) 
  • Baumhöhe: ca. 23 m
  • Kronenbreite: ca. 17 m
  • lichte Höhe: ca. 2,5 m
  • Kronenform: unregelmäßig kegelförmig
  • Alter (nach Bericht des Pflanzers): etwa 70 Jahre. Das mit dem Altersfaktor 0,51 berechnete Alter von 130 Jahren ist beinahe doppelt so hoch wie das tatsächliche!

Lebensraum

  • Wiese
  • ebenes Gelände
  • an einem Feldweg
  • an einem Graben
  • Begleitvegetation: eine weitere, etwas kleinere Hängebirke (westlich)
  • Einrichtungen: Feldkreuz mit Sinnspruch, Sitzbank, Schild mit der Aufschrift: "Anliegerstraße - Betreten auf eigene Gefahr. Hunde sind an der kurzen Leine zu führen. Für die Hinterlassenschaften der Hunde sind die aufgestellten Behältnisse zu verwenden. Jeder Verstoß wird zur Anzeige gebracht."

Standort

  • bei Unterwohlbach (im Glonntal)
  • Gemeinde Hohenkammer
  • Lkr. Freising, Bayern
  • Koordinaten: 48.4305, 11.5361

Risiken:

  • eine teilversiegelte Fläche ist etwa 2 m entfernt
  • Bruchrisiko im Kronenbereich: wegen steilem Zwieselwuchs in etwa 3,5 m Höhe erhöht (V- Zwiesel mit einem sehr engen Verzweigungswinkel, Rindengrat: 60 cm lang, ev. eingewachsene Rinde, deutliche ausgeprägte Ohren)

erhoben am 30. Juli 2021


Es ist noch nicht lange her, da wurden Birken ähnlich wie die Weiden als "Unholz" angesehen, das zur Förderung edlerer Hölzer bei der Durchforstung der Wälder zu beseitigen war. Man schrieb der Birke eine bodenverschlechternde Wirkung zu und unterstellte ihr, dass sie benachbarte Nadelhölzer "durch ihr Abpeitschen und Abreiben der Nadeln auffällig schadet" (56).
Im Zeitalter der Klimaänderung hat sie als Pionierpflanze gute Voraussetzungen, neue Bedeutung zu gewinnen: sie besiedelt rasch vom Sturmbruch entwaldete Flächen, die Bitterstoffe in ihrem Laub verhindern weitgehend, dass sie vom Wild verbissen wird und sie kommt mit sehr unterschiedlichen Angeboten an Wasser und Nährstoffen bestens zurecht.